05.04.2020

30 Jahre Mauerfall (13. November 2019)

30 Jahre Mauerfall - dazu kam Thomas Flehmer (Freier Journalist) zu uns. Er war neugierig wie es uns ergangen ist, mit und nach der Wiedervereinigung von VfB und Einheit. Er wollte einen Artikel dazu im Auftrage von dpa erstellen. Was ist raus gekommen. Zwei kleinere Beiträge in der Berliner Morgenpost, der Süddeutschen Zeitung und eine größere Dokumentation in der MAZ (Märkische Allgemeine Zeitung vom 12.11.2019).

Anbei der gesamte Text, aus denen sich die Zeitungen bedient haben:

“Als die Mauer fiel, war ich ein Ossi»: Einheit beim VfB zu Pankow”

Die zwei deutschen Staaten brachten auch dem Fußball-Verein VfB 1893 Pankow die Spaltung in Ost und West. Die Wiedervereinigung bescherte den beiden Clubs eine schnelle Einheit mit kuriosen Erfahrungen diverser Vorurteile in Ost und West.

Berlin (dpa) – Die Trennung zwischen Ost und West erfolgte beim traditionsreichen VfB Pankow schon lange vor dem Mauerbau, die Fusion der beiden Clubs zum VfB/Einheit zu Pankow ging nach der Wiedervereinigung dafür umso schneller vonstatten und ist auch 30 Jahre nach dem Mauerfall immer noch vorbildhaft. Das Gründungsmitglied des DFB ist nach eigener Darstellung auch heute noch der einzige Fußball-Club, der aus einer Fusion aus Ost und West entstanden ist. «Der VfB Pankow kam 1991 auf uns zu mit der Frage, ob wir uns nicht wiedervereinigen wollen. Die spielten in den Niederungen der Kreisliga B von West-Berlin, wir waren als Einheit Pankow in der vierten Liga der DDR unterwegs. Wir waren uns ob der Formalitäten schnell einig», erzählt Dirk Weißbach, 1. Vorsitzender des VfB/Einheit zu Pankow.

Einzig die Suche nach dem gemeinsamen Namen bereitete den Verhandelnden Schwierigkeiten, ehe sowohl der Name VfB als auch Einheit im gemeinsamen Wappen auftauchen konnten. Wobei sich der Name Einheit nicht auf die Wiedervereinigung bezieht. In der DDR wurden die Vereine so genannten Trägerbetrieben zugeordnet. Als Trägerbetrieb für Sportvereine mit dem Namen Einheit wurde die «staatliche und kommunale Verwaltung» bestimmt.

Eine andere Befürchtung löste sich schnell auf: Der Osten wollte sich nicht über den Tisch ziehen lassen. Vieles sei damals kaputtgegangen, was den «Touch Ost» hatte, sagt Weißbach. «Aber da brauchten wir gar keine Angst zu haben. Das war eine ganz tolle Sache.» Es ging so partnerschaftlich ab, dass der 61-Jährige die Strukturierung der ersten Vereinshierarchie als genial bezeichnet: «Den ersten Vorsitzenden haben wir gestellt, der zweite Vorsitzende von drüben und so weiter. Es war pari pari.»

Die Kollegen «von drüben» besaßen das nötige Know-how beim Berliner Fußballverband und halfen den Ostkollegen auch in persönlichen Dingen. «Der Fußball war für mich der absolute Ausgleich und hat mir gezeigt, dass es auch andere Leute gibt, um gewisse Vorurteile abbauen zu können. Die Westkollegen haben uns in dieser Zeit sehr geholfen und motiviert», sagt Weißbach, sodass der VfB/Einheit zu Pankow zu einer wirklichen Einheit zusammenwuchs.

Das bekamen Spieler und Funktionäre in den Spielen der ersten Jahre nach der Wiedervereinigung auch zu spüren. «Die Spiele im Westen waren die ersten Jahre schon ziemlich heftig», sagt Olaf Wrege, der letzte Verbleibende aus dem Westteil, der auch heute noch in der Ü60 von Pankow aktiv ist, «als die Mauer fiel, war ich plötzlich ein Ossi». Der 68 Jahre alte Inhaber eines Steuerbüros war zumeist der erste Spieler, den die Zuschauer im Westteil als Stasischwein und Ossi beschimpft hatten: «Ich hatte aber auch immer eine Antwort parat und habe geantwortet: „Dich kenne ich doch noch von früher. Du hast doch bei uns mitgearbeitet.“»

Und auch im Ostteil der Stadt wurde Wrege als besonderer Ossi schief angesehen. «Als ich mit dem dicken BMW zu meinem ersten Hallenturnier 1991 im tiefsten Osten, wo ich vorher noch nie war, vorgefahren war, sagte einer: „Kiek mal, ein Karriere-Ossi.“» Den West-Olli – so sein Spitzname im Verein – hat das nie gestört, im Gegenteil: Wrege schwärmt von einer Kameradschaft, die er sonst in keinem Verein erlebt habe und die bis heute anhalte. «Pankow ist für mich eine Art Heimat, Rückzugsbecken.»

Auch Lothar Kurbjuweit hat seine Heimat in Pankow gefunden. Ich bin vor drei Jahren nach Berlin umgezogen und habe mich nach einem Verein umgeschaut und umgehört und bin dann beim VfB Pankow vorstellig geworden», sagt der 66-malige Nationalspieler der DDR, «die Sportanlage ist in meiner Nähe. Ich habe es nicht bereut.» Der WM-Teilnehmer von 1974, der auch beim legendären 1:0-Erfolg der DDR gegen die BRD auf dem Platz gestanden hatte, schnürt ab und an noch die Fußballschuhe, stellt sich aber gerne ins Tor, «damit ich nicht so viel laufen muss», sagt der 69-Jährige, der im vergangenen Jahr zur 125-Jahr-Feier des Vereins in Hans-Jürgen «Dixie» Dörner und Wolfgang «Paule» Seguin auch einige ehemalige Nationalspieler der DDR zu einem Jubiläumsspiel an den Paul-Zobel-Sportplatz nach Pankow gelockt hatte.

Im Laufe der letzten drei Dekaden ist der Anteil von Mitgliedern aus dem Westteil auf ungefähr fünf Prozent gesunken, der Anteil von Spielern mit Migrationshintergrund hat sich durch den Wegfall der Mauer auf natürliche Weise erhöht. Doch die früher nicht nur sportliche, sondern auch soziale Vereinigung der beiden Vereine prägt auch heute das Leben, wenn Weißbach sagt: «Mir ist es egal, wer bei uns spielt, wir sind offen für jeden.» Ob Ost oder West, spielt keine Rolle.

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